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Raus aus der Zuckerfalle!

von Ramona Hapke

Diese Forderung steht im Raum, weil wir viel zu viel Zucker zu uns nehmen. Nur wenn wir gewisse Zusammenhänge und die Abläufe im Körper verstehen, können wir unsere Ernährung gesünder gestalten. Dieser Artikel soll dazu beitragen.

Der Körper braucht Zucker

Die gute Nachricht: Süße Versuchungen sind nicht generell tabu. Ohne Zucker, die so genannte Glukose (Traubenzucker), bekäme unser Körper keinen „Treibstoff“. Glukose liefert Energie und sorgt dafür, dass alle Abläufe im Körper problemlos funktionieren. Insbesondere für die Hirnleistung ist Glukose im Zusammenspiel mit Sauerstoff erforderlich.

Kohlenhydrate = Zucker?

Kohlenhydrate bestehen zum einen aus Zuckermolekülen, die im Verdauungstrakt in Einfachzucker (Glukose) zerlegt werden, bevor sie in die Blutbahn gelangen. Bekommt der Körper zu wenig Kohlenhydrate über die Nahrung, greift die sog. Gluconeogenese als eine Art „Notfallplan“. Unser Körper ist in der Lage, durch Gluconeogenese Glukose vor allem in der Leber und in den Nieren selbst herzustellen. D. h. wenn wir unserem Körper nicht übermäßig viele Kohlenhydrate zuführen, ist er gezwungen, sich nach „Alternativen“ umzusehen und gewisse Essgewohnheiten abzulegen.

Man sollte nicht auf Kohlenhydrate verzichten, denn sie erfüllen noch andere Aufgaben in unserem Körper. Dabei gehen sie Verbindungen mit Fetten und Protein ein und übernehmen so andere Funktionen, sind also nicht nur Energielieferant.

Beispiel: Warum sollten wir Vollkornprodukte essen? Wird dem Körper Glukose zugeführt, schüttet er große Mengen Insulin aus. Dieser Kick, ein erhöhter Blutzuckerspiegel, hält nicht lange vor. Er sinkt rasch wieder ab, man fühlt sich müde und schlapp. Mit Vollkornprodukten und natürlich auch anderen Lebensmitteln kann man den Abbau von Kohlenhydraten zu Traubenzucker verlangsamen und so starke Blutzuckerspiegelschwankungen vermeiden.
Tipp: Yakonwurzel

Zucker ist Zucker

Zucker verleiht Speisen den typisch süßen Geschmack, den wir so lieben. Man stelle sich nur einmal sein Lieblingsnaschwerk vor … Doch der übermäßige Zuckerkonsum fördert die Entstehung von Übergewicht und anderen chronischen Krankheiten. Er bewirkt, dass der Körper mehr Insulin produziert, was nicht nur für den Blutzuckerspiegel wesentlich ist, sondern auch ein Wachstumshormon darstellt. Krebszellen bspw. brauchen viel Brennstoff, um zu wachsen, was sie durch einen hohen Zuckerkonsum auch schneller tun. Es ist bekannt, dass Tumorzellen zur Vermehrung sehr viel Zucker brauchen.

Auch wenn es auf den ersten Blick unmöglich scheint: Salate mit Blattsalaten, fettarmem Hühnchenfleisch und Gemüse können Zuckerfallen sein. Grund dafür sind Toppings und Dressings mit erhöhten Zuckermengen. Damit sind wir schon beim nächsten Problem: Irrtümer und Kennzeichnungen.
Zucker versteckt sich nicht nur in Süßigkeiten, sondern bspw. in Ketchup, Fertiggerichten (also in industriell hergestellten Speisen), Soßen, Müslis, Wellnessaufstrichen, Rotkohl aus dem Glas, Dosenfisch, Knusperbrot, fettreduziertem Fleischsalat, Currywurst, Pizza, Eistee und vielen anderen Getränken. Diesen Produkten sieht man ihren Zuckergehalt nicht an, man schmeckt die Süße auch nicht unbedingt immer heraus. Herzhaftes mit Zucker als billigen Geschmacksträger geschmacklich zu verbessern, ist weit verbreitet. Die Lobby der Zuckerindustrie mache nicht einmal vor Babynahrung Halt, prangert Öko-Test an. Das Magazin nennt fünf Tricks der Hersteller, Zucker in ihren Produkten zu verschleiern:

  1. Viele Zuckerarten landen auf der Zutatenliste unten, weil statt „Zucker“ andere Begrifflichkeiten verwendet werden, wie Glukose-Fruktose-Sirup, Invertzuckersirup, Dextrose und Süßmolkenpulver.
  2. "Nur natürliche Süße" mit Fruchtsüße, Konzentraten & Co." bedeutet in vielen Fällen nicht natürliche Süße aus Milch, Gemüse oder Obst, sondern hoch konzentrierte, getrocknete, teils mehrfach verarbeitete Pulver.
  3. Statt „Zucker“ werden Bezeichnungen, wie Maltodextrin, Oligofruktose oder Dextrose verwendet.
  4. Werbung „mit weniger Fett“, in Wirklichkeit kommt dafür mehr Zucker rein.
  5. Portionsgrößen - weniger ist nichts. Die Gehalte an Fett, Zucker oder Salz kann man ganz einfach kleinrechnen. Denn die Referenzmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen bezieht sich auf eine Portion des Lebensmittels - und je kleiner ein Hersteller diese bemisst, desto geringer wirkt der Anteil des Lebensmittels an der täglichen Gesamtmenge an Zucker.
    (Quelle: ÖKO-TEST 5/2016)

Viele Produkte werden mit "zuckerfrei" beworben. Der enthaltene Trauben-, Frucht- und Milchzucker unterscheidet sich hinsichtlich des gesundheitlichen Aspekts nicht vom Haushaltszucker (Saccharose). Zuckerfrei sind nur solche Lebensmittel, welche weniger als 0,5 Gramm pro 100 Gramm oder 100 Milliliter enthalten. Der Begriff "ohne Zuckerzusatz" darf nur verwendet werden, wenn einem Produkt kein süßender Stoff zugesetzt wurde.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) erklärt, die Lebensmittelindustrie entwickle stetig innovative Produkte und passe bestehende Rezepturen an Trends und Wünsche der Verbraucher an. Einige Konzerne reagieren bereits mit einem Vorstoß und drehen an der Zuckerschraube. Sie starten eigene Kampagnen, in denen sie Rezepturen offenlegen.
Die Firma VILSA-BRUNNEN etwa räumt ein, dass der mündige Verbraucher nur mit den richtigen Informationen selbst entscheiden kann, welches Getränk für ihn das richtige ist.
Der EDEKA-Verbund setzt auf eine differenzierte ernährungsphysiologische Bewertung von Lebensmitteln. Die Reduktion von Zucker und Salz reiche allein nicht aus.
Siehe auch: www.penny.de/qualitaet/weniger-zucker/

Seit der Regulierung des Zuckermarktes 2017 verunsichert nun ein weiterer Begriff die Verbraucher: Isoglukose, ein Flüssigzucker, der günstig aus Mais oder Weizen hergestellt wird. Bisher wird Zucker in Europa hauptsächlich aus Zuckerrüben gewonnen. Isoglukose kommt in verschiedenen Bezeichnungen daher, wie Maissirup oder Fruktose-Glukose-Sirup. Ernährungsberater empfehlen, industriell hergestellte Mittel mit zugesetztem Zucker so gut wie möglich zu meiden.

Aber gibt es nicht den „besseren“ Zucker, wie Honig oder braunen Zucker (Vollzucker, Vollrohrzucker und Braunzucker)? Viele Verbraucher meinen, dass diese Varianten gesünder seien. Leider nein. Vollzucker und Vollrohrzucker enthalten lediglich mehr Mineralstoffe. Honig enthält Spuren von Vitaminen, Mineralstoffen und Enzymen, aber zu 80 Prozent besteht er aus Fruchtzucker, Traubenzucker und anderen Zuckerarten sowie Wasser. Eigentlich ist unser geliebter Honig eine übersättigte Zuckerlösung.

Tipp: aok-erleben.de/achtung-zuckerfalle/

Zuckeralternativen

Nach Empfehlung der WHO sollte man idealerweise nur fünf Prozent der täglichen Kalorienzufuhr als Zucker aufzunehmen. Das entspricht einer Menge von circa 50 Gramm für Erwachsene bzw. 25 Gramm (6 Teelöffel) für Kinder. Kein Wunder, dass man sich, will man auf Süßes nicht verzichten, kalorienärmere Alternativen sucht. Süßungsmittel, wie Sorbit, Xylit, Stevia, Erylite, Sukrin, Erythritol, Neue Süsse, Sucolin, Xucker Light oder auch sweetERY stehen in so mancher Küche. Dahinter verbirgt sich (bio-)chemisch erzeugter Alkoholzucker, der die wenig appetitliche Bezeichnung E968 trägt. Jedes Süßungsmittel im Detail zu betrachten, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Wir stehen Ihnen jedoch gerne beratend persönlich zur Seite, kommen Sie in unserer Apotheke vorbei.

Ein Hinweis scheint uns von Bedeutung: In einem Projekt zur Herstellung echten Zuckers ohne Kalorien arbeitet das Start-up „Savanna Ingredients“, ein Unternehmen der Pfeifer & Langen IHKG. Dieses Entwicklungsprojekt neuer Funktioneller Kohlenhydrate wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gefördert. Die aus Rübenzucker hergestellte Allulose wird vom Körper nicht als Energielieferant erkannt und unverdaut wieder ausgeschieden. Der Kaloriengehalt von Allulose beträgt 0,2 kcal/Gramm. Tests des Senders RTL ergaben bei einigen verkosteten Lebensmitteln gegenüber Zucker keinen Geschmacksunterschied. Die Savanna Ingredients kündigt an, die Zulassung ihrer Allulose als Lebensmittel in Europa zeitnah zu beantragen.

Der politische Zankapfel Zucker

Die Verbraucherorganisation foodwatch wirft der Zuckerwirtschaft vor, die gesundheitlichen Folgen hohen Zuckerkonsums zu verharmlosen Quelle: foodwatch.org. In die politischen Debatte um Zucker kommt Bewegung, wenngleich man wieder einmal geteilter Meinung ist.

Anlässlich der aktuellen Tagung der Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern fordert die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) die Einführung einer Sonderabgabe auf stark gezuckerte Softdrinks. Zudem empfiehlt die BZÄK eine deutliche Reduktion des Zuckeranteils in Nahrungsmitteln für Kinder sowie Werbebeschränkungen in diesem Bereich. Klingt ja erstmal vernünftig.

Doch Gegenwind kommt von Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker e.V. (WVZ). Er hält nichts von einer "Strafsteuer auf Zucker" in Deutschland, wenngleich das in anderen Ländern, wie Großbritannien, Mexiko oder in Berkeley in den USA funktioniert. Er führt aus:

„Nicht einzelne Zutaten machen uns dick. Es kommt auf das Gesamtpaket aus Ernährung und Bewegung an.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht sich gegen höhere Steuern auf zuckerhaltige Nahrungsmittel aus, sie würden die Falschen treffen.
Ärzte fordern, dass die Politik die Aufklärung über das Gesundheitsrisiko Zucker stärker vorantreibt.

Gute Beispiele gibt es bereits, wie die Ausgabe von kostenlosen Ampelkärtchen der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, eine gemeinsame Aktion mit der Verbraucherzentrale.

Die Lebensmittelindustrie favorisiert das sogenannte GDA-System (Guideline Daily Amount) zur Aufklärung der Verbraucher. „Dieses System ermöglicht viel Trickserei und verschleiert die wahren Mengen von Zucker, Fett und Salz. Denn beim GDA-System dürfen die Hersteller die Portionsgröße selbst festlegen – ganz nach ihrem Geschmack ohne jegliche Standards“, kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Diskussion ist im Gange. Es bleibt abzuwarten, ob Interventionen des Gesetzgebers welcher Art auch immer zu einer gesünderen Ernährung beitragen können.

Zucker einsparen, so geht’s

Während man auf allen Ebenen diskutiert oder vom Problem abzulenken versucht, kann jeder selbst etwas tun. Die oben gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage dafür, der Zuckerfalle vielleicht mit diesen Maßnahmen zu entkommen:

  • seine Ernährungssituation ehrlich betrachten,
  • Hunger nicht mit Süßigkeiten stillen,
  • den Konsum von Lebensmitteln meiden oder reduzieren, die versteckten Zucker enthalten,
  • keine offenen Packungen von Naschereien herumliegen lassen,
  • auf die Nährwertangaben auf Verpackungen schauen,
  • Forderungen nach besserer Kennzeichnung, wie etwa durch Ampeln, unterstützen,
  • langsam reduzieren, denn unser Gehirn mag keine Verbote,
  • der Lust auf Süßes zu geeigneter Zeit nachgehen, wie zum Kaffe oder Süßes als Nachspeise,
  • beliebte Süßigkeiten, wie Schokolade, durch etwas anderes ersetzen oder seltener als Belohnung einsetzen,
  • Alternativen zu gesüßter Limo, wie Saftschorlen den Vorzug geben,
  • gemeinsam mit Freunden und/oder der Familie das Zuckerproblem angehen.

Wie gelingt es Ihnen, den Zuckeranteil in Ihrer Ernährung zu reduzieren? Schreiben Sie uns!

Wenn Sie Fragen zu den Möglichkeiten einer medikamentösen Unterstützung haben, stehen wir Ihnen in unserer Apotheke gerne für eine Beratung zur Verfügung.

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